„Passage2021“: Rückblick einer künstlerischen Aktion, die zum Nachdenken anregen sollte

Saarbrücken, Trier, Schengen, Metz: 19 Tage Reise führten das Theaterschiff Maria-Helena durch vier Städte und drei Länder der Großregion. Nun ist der ehemalige Frachter wieder im heimischen Hafen eingelaufen. Das Projekt Passage2021 wurde auf Initiative der Hochschulleitung der HfM Saar ins Leben gerufen und fand im Rahmen des von der europäischen Union geförderten Projekts NOE-NOAH (Programm Interreg V A Großregion) statt.

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Das Konzert „ALLEIN & ZU ZWEIT“ eröffnete das grenzüberschreitende Projekt am späten Nachmittag des 18. Juni in Saarbrücken. Studierende der Kompositionsklasse von Prof. Arnulf Herrmann der HfM Saar interpretierten die speziell für die Konzerte auf dem Theaterschiff komponierten Werke. Die entstandenen Solo- und Duo-Stücke, zum Teil zusätzlich durch Elektronik erweitert, wurden im Innenraum des Schiffes an jedem Halt aufgeführt.

Während seines dreitägigen Aufenthalts am saarbrücker Willi-Graf-Ufer sowie in den weiteren drei angefahrenen Städten, lud der Innenraum des Schiffes zur Entdeckung der originellen Video- und Klanginstallation „ISO 668“. Einem Halt in Trier (24. und 25. Juni) folgte ein Stopp in der luxemburgischen Stadt Schengen (26. und 27. Juni). Am Montag 28. Juni legte das Theaterschiff im kleinen metzer Hafen ein. Trotz wechselhaftem Wetter zog das imposante 110-jährige Kulturschiff zahlreiche Stadtbewohner und Touristen an. Die Video- und Klanginstallation ließ die Besucher in die Geschichte der Schifffahrt eintauchen – von den Anfängen der Transportsysteme über speziell angefertigte Frachtschiffe bis hin zur heutigen weltweiten Vernetzung – dank des universell einheitlichen Containerformats ISO 668. Wie auch in Trier und Schengen beendete das Konzert „ALLEIN & ZU ZWEIT“ die künstlerische Aktion.

NACHDENKEN ANREGEN MIT ISO 668  

„Die Installation soll weder eine gewöhnliche Ausstellung darstellen noch der reinen Dokumentation dienen“, unterstrich Gary Gerber, künstlerischer Leiter der Installation und Leiter des Studios für elektronische und experimentelle Musik HfM Saar. Fragen aufkommen lassen und die Besucher zum Nachdenken anregen, dies war die Intention hinter der Kreation „ISO 668“.

Über 6.000 Containerschiffe sind täglich in den Weltmeeren unterwegs. In etwa 38 Millionen Stahlcontainern – universell standardisiert mit der Normbezeichnung ISO 668 – legen Gebrauchsgegenstände zwischen Produktion und Konsumenten kostengünstig weite Strecken zurück. Das Einheitsformat löste frühere Transportsysteme ab und ermöglichte erst die effiziente weltweite Vernetzung von Gütern.

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IMMERSIVE VIDEO- UND KLANGINSTALLATION

Drei mediale Ebenen schufen im Innenraum des ehemaligen Frachtschiffes, heute das Theaterschiff Maria-Helena, ein scheinbar automatisiertes Netzwerk, welches die Strukturen des globalen Warenverkehrs – Produktion, Logistik und Transport – visuell und auditiv erfahrbar machten. Verschiedene Videospuren, projiziert auf hängende Stahlplatten, zeigten künstlerisch verarbeitete Bilder aus diversen Phasen und Momenten des Produkttransfers. Auf der auditiven Ebene wurde die Schiffswand mit Hilfe von Körperschallwandlern selbst zur Membran.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhren drei mit Wasser gefüllte Schalen im Zentrum des Raumes. Als zentrales Element der Visualisierung akustischer Anregung übersetzen sie den Klang in sichtbare Wellenmuster. Eine weitere Besonderheit stellten die Vielzahl kleiner autonomer Maschinen dar. Ihre jeweils individuellen Arbeitsvorgänge spiegelten die Automatisierung der Arbeitsprozesse von Warenproduktion und Ladeprozessen wider.

Realisiert wurde ISO 668 im eSpace – Studio für elektronische und experimentelle Musik HfM Saar von Gary Berger und Olivia Artner. 

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